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Helfende Hände statt betender Lippen

Soziales Projekt / Nepal

Das Naturhotel Chesa Valisa bekommt im Zuge eines großen Umbaus eine neue Küche. Die alte Küche wird verkauft, und weil es für die Familie Kessler vom Naturhotel Chesa Valisa eine Grundhaltung ist, Positives zu bewirken, wird der Erlös für den Wiederaufbau eines gastronomischen Ausbildungsprojekts in Nepal gespendet. Die Firmen Lohberger und Fichtel, die Küchen- und Kühltechnik-Partner vom Chesa Valisa, finden das gut und beteiligen sich mit stattlichen Beträgen. Eine klare Botschaft. Dahinter verbirgt sich aber eine sehr persönliche und facettenreiche Geschichte, in der es um Mut, Konsequenz, Freundschaft und Gemeinschaft geht.

Jede Geschichte hat ihren Helden. Der Held dieser Geschichte ist Tshering Lama Sherpa aus Nepal, der Cousin des bekannten Freeclimbers David Lama. Tshering ist ein junger Mann, der vor Jahren nach Österreich kam, um an einem Austauschprogramm für Sherpas teilzunehmen, das von Wolfgang Nairz, dem Expeditionsleiter von Reinhold Messner, ins Leben gerufen wurde. Damals arbeitete er auf der Kaunergrathütte in den Ötztaler Alpen, wo er nicht nur Berg-, sondern auch Gastgeberluft schnupperte, Gefallen daran fand und sich kurzerhand entschied, eine solide gastronomische Ausbildung in Österreich anzuhängen. Tshering Lama Sherpa begann also seine Ausbildung an der renommierten Hotelfachschule Villa Blanka in Innsbruck.
 

Allerdings war mit dem Einstieg in Schule und Internat nur ein Grundstein gelegt. Tshering sprach zu diesem Zeitpunkt kein Wort Deutsch, und die Finanzierung der kostspieligen Ausbildung war alles andere als gesichert. Wirkliche Hindernisse waren das für den eifrigen jungen Mann nicht. Tshering lernte die Sprache und nahm, um das Schulgeld zu finanzieren, zwei Jobs in Innsbruck an. Außerdem lernte er David Kessler vom Naturhotel Chesa Valisa kennen, der zu dieser Zeit ebenfalls die Villa Blanka besuchte. Die beiden verstanden sich von Anfang an und schlossen Freundschaft.
 

Tshering Lama Sherpa diplomierte 2009 an der Villa Blanka. Ein gut ausgebildeter, weltoffener und hoch motivierter junger Mann, wie sie im Tourismus händeringend gesucht werden. Tshering wären in heimischen Betrieben Tür und Tor offen gestanden. Sie waren ihm aber verschlossen. Der politische Geist unserer Zeit, vor allem aber dessen Entscheidungsträger und ihre Bürokratie durchkreuzten die Pläne, verweigerten die entsprechenden Bewilligungen und schickten Tshering Lama Sherpa zurück nach Nepal.


 

 

Tshering ist ein wacher und umtriebiger Geist. Zurück in seiner Heimat, im Khumbutal, gründete er erst das Unternehmen Lama Reisen, das nachhaltige Trekking-Touren anbot. Kurz darauf gründete er eine touristische Schule, eine Ausbildungsstätte, an der sich vor allem junge Nepalesinnen zu Küchenhilfen, Service-Mitarbeitern oder Etagen-Kräften ausbilden lassen können. Tshering bot seinen Landsleuten damit eine handfeste Möglichkeit, der Armut zu entkommen, die in Nepal sehr stark ausgeprägt ist. Nepal gehört zu den Ärmsten Ländern der Welt, und es war stets das Anliegen von Tshering Lama Sherpa, die Situation für die Menschen zu verbessern.

 

Die Schüler der Einrichtung können, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen, die Schule mit einem offiziellen und anerkannten Diplom abschließen und erhöhen dadurch ihre Chancen am Arbeitsmarkt deutlich. Die meisten finden Anstellungen in Kathmandu und anderen Städten mit ausgeprägtem Tourismus und können dadurch ihre Familien in Nepal unterstützen.

Das Projekt war erfolgreich und auf gutem Weg, bis das Land von einer unfassbaren Naturkatastrophe – im wahren Wortsinn – erschüttert wurde. Das Erdbeben von 2015 hatte für Nepal derart verheerende Folgen, dass es unsere Vorstellungskraft weit übersteigt. Tshering’s Mitschüler aus seiner Zeit in der Villa Blanka konnten erst nach zwei Wochen sicher sein, dass ihr Kommilitone überlebt hat. Das Ausmaß der Zerstörung war gewaltig, und auch die Schule ist eingestürzt. Sofort waren seine Schulfreunde zu Stelle und sammelten weit über 40.000 Euro. Nach ersten Hilfsmaßnahmen, die darauf abzielten, das Überleben der von den Folgen des Erdbebens betroffenen Menschen zu sichern, wurde auch die Schule sukzessive wiederaufgebaut. Dies war ein mühsamer und langwieriger Prozess, der jedoch aufgrund intensiver Zusammenarbeit, internationaler Hilfe und der Beharrlichkeit von Tshering Lama Sherpa im Herbst 2018 mit der Wiedereröffnung der Schule abgeschlossen werden konnte.

 

Jetzt, nachdem die Mauern wieder stehen und die Schüler wieder die Klassenräume füllen, geht es darum, die Qualität der Ausbildung zu sichern. Genau hier setzen die Familie Kessler und Lohberger an. Im Naturhotel Chesa Valisa wird gerade groß umgebaut. Im Zuge dieses Umbaus bekommt Küchenchef Bernhard Schneider eine neue Wirkstätte. Die ausgebaute Küche ist zwar alt, aber in voll funktionstauglich und außerdem „gut in Schuss“. So gut in Schuss, dass sie noch zu einem stattlichen Preis verkauft werden kann. Diesen Erlös spendet das Naturhotel Chesa Valisa dem zukunftsorientierten Ausbildungsprojekt von Tshering Lama Sherpa. Weil es zur Philosophie der Familie gehört, Sinnvolles zu bewirken und weil Freundschaft und soziales Engagement fundamentale Säulen nachhaltigen Wirtschaftens sind. Und weil die Firma Lohberger das genauso sieht, hat sich Geschäftsführer Reinhard Hanusch kurzerhand entschieden, den Betrag zu verdoppeln. So kann dem Projekt in Nepal ein fünfstelliger Betrag zur Verfügung gestellt werden, der dort dringend gebraucht werden kann.

 

„Helfende Hände sind heiliger als betende Lippen“ ist übrigens ein Zitat des Inders Sathya Sai Baba und drückt den Zugang und die Motivation des ökologisch geführten Naturhotels aus. Im Bewusstsein sozialer Verantwortung hilft man dort, wo andere Organisationen nicht hinsehen oder zu kurze Arme haben.

 

 

Magdalena Kessler
 

Das Naturhotel Chesa Valisa
 

E info@naturhotel.at
T +43 (5517) 5414
www.naturhotel.at


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